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Irrtum:
»Drücken muss man vor dem Zupfen«

Häufig wird gesagt, dass man erst mit der linken Hand drücken und dann die Saite mit rechts zupfen soll, etwa um ein Klirren der Saiten zu vermeiden. Tatsächlich hat es aber viele Vorteile, wenn beide Hände genau gleichzeitig agieren.

Vielleicht kennst Du schon meinen Beitrag dazu, woher der Ton auf der Gitarre kommt und wie er erzeugt wird. Wenn nicht: hier, in »Irrtum: Der Ton kommt aus dem Schallloch«, kannst Du etwas dazu erfahren. Das ist ganz grundlegend – sowohl für die Technik der Alten Meister als auch für einen gepflegten, tragfähigen Klang überhaupt!

Nun zum Irrglauben, man müsse erst drücken, bevor man zupfe: Ein Ton auf der Gitarre wird erzeugt, indem sie (das ganze Instrument, nicht bloss die Saite!)  zuerst vorgespannt und dann in Schwingung versetzt wird. Das Vorspannen passiert in dem Moment, in dem eine Saite gedrückt oder gezupft wird, und beim Loslassen der Saite beginnt diese und damit das ganze Instrument dann zu schwingen. Eigentlich ist das alles ziemlich logisch – Physik, Akkustik, eben...

Bei der der fast vergessenen Technik der Alten Meister, die ich hier auf »Groove and Sound« lehre, erfahren die Saiten nicht nur mit der linken, sondern auch mit der rechten Hand einen Druckimpuls. (Welche Vorteile das hat, hörst Du sofort am Klang und kannst es im Virtuellen Atelier oder in den Kursen näher erfahren.)

Man drückt und zupft also in dieselbe (!) Richtung. Und in dem Moment, ist auch sofort klar, warum es große Vorteile hat, dies im selben Moment, gleichzeitig, in einer koordinierten Bewegung zu tun: man spart Kraft und gewinnt Freiheit in der Bewegung der linken Hand! Denn:

  1. man muss mit der linken Hand weniger lange drücken,
  2. es ist weniger Kraft notwendig, da die notwendige Spannung der Saite durch Kraftübertragung an zwei Punkten aufgebaut wird anstatt an einem Punkt,
  3. man kann den Druck der linken Hand sofort reduzieren, wenn man auf dem Griffbrett angekommen ist,
  4. man muss nur eine Bewegung ausführen statt zwei.

In meinem Video hier zu diesem Irrtum findest Du neben der Erklärung auch eine kleine Übung, mit der Du das ausprobieren und ein erstes Gefühl für diesen Effekt entwickeln kannst. Überzeuge Dich selbst!

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